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Stilistisches

Morphodynamische Malerei ist weder abstrakt noch gegenständlich. Wer "mit der Natur" des verwendeten Materials malt, abstrahiert nicht (wovon auch?). Ihm geht es erst recht nicht um Einfühlung in bereits real vorhandene Natur oder in eine sonstige Gegenständlichkeit. Malen ist für ihn bildnerisches Musizieren durch Instrumentierung der in der Farbsubstanz schlummernden Möglichkeiten. Die bereits seit Kandinsky ihrer der Darstellung realer Gegenstände oder Vorgänge dienenden Funktion enthobene Farbe drängt jetzt hin zur Entfaltung der ihrer Stofflichkeit innewohnenden kreativen Kräfte. Nachdem sie in den Werken des Impressionismus und vieler Expressionisten ihr Kolorit in voller Pracht hat erstrahlen lassen, möchte sie sich nun auch als Substanz formieren und präsentieren. Dieses Potenzial ist lange Zeit unterschätzt oder einfach nicht zur Kenntnis genommen worden. Erste morphodynamische Akzente beobachtet man bei Max Ernst in der von ihm so erfolgreich, aber nur beiläufig angewandten Abklatschtechnik. Ansätze sind auch bei Emil Nolde erkennbar, der die selbständige Kraft der Farbe und ihre Mitarbeit an seinen Aquarellen auf Japanpapier und bei Gouachen mit den Worten beschwor, daß die Farbe sich durch ihn so folgerichtig auf der Malfläche auswirken möge, wie die Natur selbst ihre Gebilde schaffe, wie Erz und Kristalle sich bildeten, wie Moos und Algen wüchsen.

Er sagt:"Ich malte den weißen fallenden Schnee und die halb und ganz fertigen Blätter lagen umher, überschneit. Ich war erstaunt, wie die Farben seltsam verträumt unter dem Schnee sich angesetzt hatten... Ich sah es gern, wenn auf dem Papier die gefrorenen Farben in Kristallen, Sternen und Strahlungen sich setzten. Ich liebte solche Mitarbeit der Natur."

Rainer Maria Rilke hat es geahnt und in seinen" Briefen über Cézanne" auf den Punkt gebracht: "Man muß die Farben zeitweise allein lassen, damit sie sich gegenseitig auseinandersetzen. Wer dazwischen-spricht, wer anordnet, wer seinen eigenen Willen agieren läßt, der stört und trübt schon ihre Handlung. Der Künstler darf nicht zum Bewußtsein der eigenen Einsichten kommen. Seine Fortschritte -ihm selbst rätselhaft- müssen so rasch in die Arbeit eintreten, daß er sie im Moment ihres Auftauchens noch nicht zu erkennen vermag. Gegenüber einer zu weitgehenden Mitwisserschaft des Malers an den eigenen Schöpfungen ist Mißtrauen geboten... Die Welt muß in einem Jenseits von Farbe eine neue Existenz anfangen...".